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Diabetes mellitus

Inhalt

  1. Definition
  2. Formen
  3. Symptome
  4. Ursachen
  5. Diagnose
  6. Krankheitsverlauf
  7. Folgeerkrankungen
  8. Therapie
  9. Allgemeine Ernährungsempfehlung
  10. Diabetes bei Kindern
  11. Arbeiten mit Diabetes
  12. Weitere Informationen 

1. Definition

Diabetes mellitus (die Zuckerkrankheit) ist der Sammelbegriff für verschiedenartige Störungen des Stoffwechsels, deren Hauptmerkmal ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) ist. Ursache ist entweder eine gestörte Insulinausschüttung, eine gestörte Insulinwirkung oder auch beides. 

Neben einigen seltenen Diabetes-Sonderformen und dem so genannten Schwangerschaftsdiabetes unterscheidet man hauptsächlich zwischen Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2.

Zuckerstoffwechsel

Einer der wichtigsten Energielieferanten des Körpers ist Traubenzucker (Glukose). Essen wir Kohlenhydrate in Form von beispielsweise Brot, Reis oder Kartoffeln werden diese im Magen-Darm-Trakt zu einzelnen Zuckerbausteinen (Glukose) abgebaut. In Form von Glukose können sie ins Blut aufgenommen werden, was ein Anstieg des Blutzuckers zur Folge hat. Die Glukose wird entweder in der Leber gespeichert oder zu den unterschiedlichen Körperzellen transportiert, die Energie benötigen. Das Gehirn sowie die Muskel- und Fettzellen sind auf eine konstante Zufuhrt von Glukose angewiesen. Muskel- und Fettzellen benötigen für die Aufnahme von Glukose Insulin, vergleichbar mit einem Schlüssel, der die Zellen aufschließt damit die Glukose aufgenommen werden kann. Wenn die Glukose in die Zelle eingeschleust worden ist sinkt der Blutzucker wieder. Ohne Insulin, bleibt Glukose jedoch im Blut und kann die Zellen nicht ausreichend mit Energie versorgen. Die  Folge ist ein chronisch erhöhter Blutzucker.

2. Formen

Typ-1-Diabetes

Bei Typ-1-Diabetes werden jene Zellen der Bauchspeicheldrüse (Beta-Zellen) zerstört, die dafür zuständig sind, Insulin zu bilden. Dies hat zur Folge, dass der Blutzucker ansteigt. Von Typ-1-Diabetes sind vor allem junge, meist schlanke Menschen betroffen, die sofort Insulin spritzen müssen weil die Bauchspeicheldrüse viel zu wenig oder gar kein Insulin mehr bildet. Diabetes Typ-1 kann jedoch auch im Erwachsenenalter auftreten. Oftmals handelt es sich bei Typ-1 um eine Autoimmunerkrankung, die durch bestimmte Erbfaktoren und Virusinfektionen begünstigt wird.

Typ-2-Diabetes

Im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes entwickelt sich der Typ 2 langsam und schleichend. Dieser tritt vor allem bei älteren Menschen auf weshalb er früher auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet wurde. Ursachen sind eine Störung der Insulinausschüttung sowie oftmals eine Insulinresistenz, die insbesondere bei gleichzeitigem Übergewicht ein wichtiger Faktor darstellt. Das Insulin kann seine Wirkung an den Zielorganen nicht mehr richtig entfalten was zu einem Blutzuckeranstieg führt. Typ-2-Diabetes kann über einen langen Zeitraum ohne Symptome verlaufen und wird oftmals erst bei Routineuntersuchungen diagnostiziert. Faktoren, die das Auftreten dieser Form begünstigen sind die erbliche Veranlagung, Übergewicht und zu wenig Bewegung, das heißt ein insgesamt ungesunder Lebensstil.

Im Unterschied zum Typ-1-Diabetes kann zu Beginn der Erkrankung noch viel bewirkt werden – beispielsweise durch ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein normales Körpergewicht. Ist Typ-2-Diabetes jedoch fortgeschritten, müssen Medikamente oder Insulin eingesetzt werden, um den Blutzucker zu regulieren.

In Deutschland sind rund zwölf Prozent der 20 bis 79-jährigen an Diabetes mellitus erkrankt. Die meisten davon leiden an Typ-2, nur rund fünf Prozent sind an Typ-1 erkrankt. Die Zahl der Erkrankungen steigt stetig an, was in der Regel mit der zunehmenden Rate an Übergewichtigen zu tun hat. Aber auch die höhere Lebenserwartung führt zu einem Anstieg der Diabetesfälle, denn in höherem Alter wächst die Wahrscheinlichkeit, an  Diabetes zu erkranken.

LADA (latent autoimmune diabetes with adult onset)

LADA ist eine Sonderform des Typ-1-Diabetes, die erst im Erwachsenenalter auftritt. Gemeinsam mit Typ-1 ist das Auftreten von autoimmunen Zerstörungsprozessen, die zum vollständigen Erliegen der körpereigenen Insulinproduktion führen können. Bei einem LADA läuft dieser Prozess jedoch bei den meisten Patienten verzögert ab und kann zu Beginn der Erkrankung mit Tabletten behandelt werden. Dies bedeutet, dass diese Patienten im Vergleich zum klassischen Typ-1-Diabetes nicht sofort insulinpflichtig sind.

MODY (maturity onset diabetes of the young)

Diese Sonderform ist auf einen genetischen Defekt der insulinproduzierenden Inselzellen zurückzuführen. MODY tritt im Kindes- oder frühen Erwachsenenalter auf, steht nicht in Zusammenhang mit Übergewicht und betrifft rund ein Prozent aller Diabetiker. Diese Sonderform wird über drei Generationen bei Verwandten ersten Grades – etwa der Großmutter, der Mutter oder dem Sohn – vererbt. Aktuell sind sechs MODY-Typen mit unterschiedlichem Verlauf bekannt. Die Diagnose ist durch eine genetische Untersuchung möglich.

Diabetes durch Schäden der Bauchspeicheldrüse

Wenn die Bauchspeicheldrüse teilweise oder vollständig ausfällt und nicht mehr ausreichend Insulin produziert, spricht man von einem pankreopriven Diabetes. Ursachen für den Ausfall der Bauchspeicheldrüse sind zum Beispiel eine Bauchspeicheldrüsenentzündungen ausgelöst durch Alkoholmissbrauch, Gallensteinleiden, Mukoviszidose oder Eisenspeicherkrankheit (Hämachromatose) sowie Operationen, bei denen wegen eines Unfalls oder eines Tumors Teile der Bauchspeicheldrüse entfernt werden mussten.

Schwangerschaftsdiabetes

Während der Schwangerschaft kann es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel kommen, was rund drei Prozent aller Schwangeren betrifft. Meist bildet sich diese Form des Diabetes nach der Geburt wieder zurück, jedoch haben die Betroffenen in den folgenden zehn Jahren ein Risiko von bis zu 45 Prozent, erneut an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das Risiko in der nächsten Schwangerschaft erneut Diabetes zu entwickeln, ist sogar noch ein wenig höher. Erhöhte Blutzuckerwerte in der Schwangerschaft können beim Kind zu Großwuchs und Missbildungen führen, ebenso ist die Gefahr von Fehlgeburten erhöht. Meist wird der Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandelt.

3. Symptome

Starker Durst, vermehrtes Wasserlassen, schlechte Wundheilung, Heißhunger, Juckreiz und Sehstörungen sind typische Symptome von Diabetes. Meist fühlen sich die Betroffenen matt, müde und angeschlagen und sind anfällig für Infektionskrankheiten. Generell jedoch sind die Symptome davon abhängig, wie weit die Erkrankung vorangeschritten ist.

4. Ursachen

Erbfaktoren

Insbesondere bei Typ-1 haben die Erkrankten spezielle Merkmale auf ihren weißen Blutkörperchen – es handelt sich um die HLA-Merkmale DR 3 und DR 4. Daher besteht die Annahme, dass es eine genetische Veranlagung für Typ-1-Diabetes gibt. Jedoch gibt es auch viele Menschen, die trotz dieser Erbinformation nicht an Diabetes mellitus erkranken. Generell gilt: Der Typ-1-Diabetes wird mit einer Wahrscheinlichkeit von drei bis fünf Prozent von den Eltern auf die nachfolgende Generation vererbt. Sind beide Elternteile an Typ-1-Diabetes erkrankt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung auf rund 20 Prozent. Geschwister von Diabetikern haben ein Erkrankungsrisiko von etwa zehn Prozent, bei eineiigen Zwillingen liegt das Risiko für das Geschwisterkind eines Betroffenen bei 35 Prozent.

Virusinfektion

Neben der genetischen Veranlagung, können auch Virusinfektionen zu Diabetes führen – bei Typ-1 sind das insbesondere Masern-, Mumps- und Grippeviren. Diese Viren können zu einer so genannten Autoimmunreaktion führen: Es werden Antikörper gegen körpereigenes Gewebe gebildet, im Falle von Diabetes also gegen die Zellen der Bauchspeicheldrüse. Diese Inselzellen (ICA) zerstören nach und nach die insulinbildenden  Zellen, so dass ein Insulinmangel vorliegt. Aber erst nachdem etwa 80 Prozent der insulinbildenden Zellen (Inselzellen) verschwunden sind, macht sich der Typ-1-Diabetes bemerkbar. Zwischen dem Beginn der Erkrankung und dem Auftreten der ersten Symptome können Wochen, Monate oder auch Jahre vergehen.

5. Diagnose

Eine Diagnose kann anhand der Blutzuckerwerte sowie mittels einer Urinprobe gefällt werden.

Blutzucker

Ein normaler Blutzucker liegt im nüchternen Zustand bei unter 6,1 mmol/l (Millimol pro Liter) und steigt nach dem Essen auf etwa 7,8 mmol/l an. Bei folgenden Werten kann von einer Diabetes-Erkrankung ausgegangen werden:

  • ein wiederholter gelegentlicher Blutzuckerwert von über 11,1 mmol/l
  • Mehrmaliger Blutzuckerwert von über 6,1 mmol/l im nüchternen Zustand

Glukose im Urin (Glukosurie)

Bei einer erhöhten Ausscheidung von Glukose im Harn handelt es sich um eine Glukosurie. Diese erfolgt ab einem Blutzucker von etwa 10 mmol/l. Die so genannte Nierenschwelle wird überschritten und der Körper beginnt, überschüssige Glukose über den Urin auszuscheiden. Bei Schwangeren ist diese Nierenschwelle ein wenig geringer. Glukosurie kann mittels eines Teststreifens im Harn nachgewiesen werden.

Ketonkörper im Urin (Ketonurie)

Ketonkörper werden gebildet wenn der Körper in einen Hungerzustand gerät. Die Ursache ist ein Mangel an Insulin. Obwohl theoretisch ausreichend Glukose im Blut vorhanden ist, kann diese durch den Mangel an Insulin nicht in die Zellen eingeschleust werden. Die Folge ist, dass sich in den Zellen ein Energiemangel einstellt und über den vermehrten Abbau von Fett versucht wird dies zu kompensieren. Ketonurie kann ebenfalls mithilfe eines Teststreifens nachgewiesen werden.

Glukosetoleranztest

Wurden im Grenzbereich liegende Blutzuckerwerte festgestellt kann ein Glukosetoleranztest (oGTT) vorgenommen werden. Zunächst wird Blut abgenommen, um den Blutzuckerspiegel zu bestimmen, danach nimmt der Patient im nüchternen Zustand 75 Gramm Glukose – in 250 bis 300 ml Wasser gelöst – zu sich. Diese Lösung muss innerhalb von fünf Minuten getrunken werden, zwei Stunden danach wird erneut Blut abgenommen. Im nüchternen Zustand liegen die Blutzuckerwerte unter 5,6 mmol/l und zwei Stunden nach dem Test bei 11,1 mmol/l. Wenn die Nüchternwerte bei über 5,0 mmol/l bis 6,1 mmol/l liegen, ist eine abnorme Nüchternglukose vorhanden. Sollten die Werte zwei Stunden nach dem Test bei 7,8 mmol/l bis 11,1 mmol/l liegen, spricht man von einer gestörten Glukosetoleranz. Liegen die Nüchternwerte bei mindestens 6,1 mmol/l oder gar höher und sind zwei Stunden nach dem Test bei über 11,1 mmol/l, hat der Patient Diabetes. Bei Schwangeren sind die Grenzwerte für den oGTT niedriger.

HbA1c-Wert

Der HbA1c-Wert liefert über einen längeren Zeitraum Erkenntnisse über den Zuckerstoffwechsel. Dieser Wert gibt den Prozentanteil des mit Glukose verbundenen roten Blutfarbstoffs an – bei Nicht-Diabetikern liegt dieser für gewöhnlich bei vier bis sechs Prozent. Auf Grundlage dieses Wertes kann der Blutzuckerspiegel der vergangenen acht bis zwölf Wochen beurteilt werden. Im Bestfall liegt der HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent.

6. Krankheitsverlauf

Prognose

Krankheitsverlauf und Prognose hängen davon ab, wie gut es gelingt, den Blutzucker dauerhaft einzustellen. Je früher Diabetes erkannt und behandelt wird, desto besser die Voraussetzungen mögliche Folgeerkrankungen hinauszuzögern. Als Kernpunkte der Behandlung zählen dabei regelmäßige Blutzuckermessungen, eine optimale Einstellung mit Tabletten oder Insulin, eine angepasste Ernährung und den Abbau von Übergewicht sowie körperliche Bewegung.

Kontrolluntersuchungen

Das A und O sind regelmäßige Arztbesuche, denn die Erkrankung muss besprochen, und eine Therapie festgelegt werden. Bei Diabetikern werden Gewicht, Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrolliert, ebenso werden die Blutfettwerte überprüft. Vierteljährlich wird der HbA1c-Wert gemessen und die Füße kontrolliert, denn schon kleine Verletzungen können schwerwiegende Folgen haben. Darüber hinaus sollten Diabetiker regelmäßig zum Augenarzt gehen, um eine Gefäßveränderung an den Augen (diabetische Retinopathie) frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Auf einen Diabetiker warten also zahlreiche Arztbesuche. Hilfreich ist dabei der Gesundheitspass Diabetes der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der bei Ärzten oder der DDG erhältlich ist. Dort können sämtliche Termine, Befunde und Blutzuckerwerte eingetragen werden.

7. Folgeerkrankungen

Diabetes-Patienten laufen Gefahr, Folgeerkrankungen zu erleiden. Diese lassen sich jedoch vermeiden, wenn der Blutzucker konsequent gut eingestellt ist und auf eine gesunde Lebensweise geachtet wird. Im Folgenden informieren wir Sie über typische Folgeerkrankungen.

Schädigung der kleinen Blutgefäße

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte begünstigen eine diabetische Mikroangiopathie – eine Schädigung der kleinen Blutgefäße. Die Gefäßwände werden durchlässig, Blutungen können auftreten. Ebenso entstehen Verdickungen an den Gefäßwänden, die zu Gefäßverschlüssen und somit Durchblutungsstörungen führen können. Die diabetische Mirkoangiopathie tritt insbesondere an der Netzhaut des Auges (Retina) und an den Nieren auf und kann zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. Einige dieser Erkrankungen sind Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine und Füße, Veränderungen der Netzhaut, Störungen der Nierenfunktion, Taubheitsgefühle, Gefühls- und Errektionsstörungen.

Schädigung der Augen

Darüber hinaus können geschädigte Gefäße zu einer mangelhaften Durchblutung der Netzhaut führen – in Fachkreisen als diabetische Retinopathie bezeichnet. Diese bewirken eine Veränderung des Augenhintergrunds, was zur Narbenbildung führen kann, die Sehstörungen und sogar Erblindung zur Folge haben können. Rund 30 Prozent der Erblindungen in Europa gehen auf eine diabetische Retinopathie zurück, geschätzte 90 Prozent der Typ-1-Diabetiker und etwa 25 Prozent der Typ-2-Diabetiker erkranken nach 15 Jahren zumindest an einer milden Form der diabetischen Retinopathie.

Schädigung der Nieren

Sind die Blutzuckerwerte mittel- bis langfristig schlecht eingestellt, können die daraus resultierenden Gefäßschäden die Nieren beeinträchtigen. Ist das der Fall, spricht man von diabetischer Nephropathie. Daraus resultierend kann es zu einem Nierenversagen (Niereninsuffizienz) kommen, infolgedessen ist dann eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) notwenig. Eine geschädigte Niere führt darüber hinaus zu einem erhöhten Blutdruck (Hypertonie).

Schädigung der Nerven

Bei ständig erhöhten Blutzuckerwerten leidet auch der Stoffwechsel der Nervenzellen. Die Glukose kann sich an den Wänden der Nervenzellen absetzten und blockiert diese und führt zu einem eingeschränkten Schmerzempfinden oder einer gestörten Temperaturwahrnehmung (diabetische Neuropathie).

Diabetischer Fuß

Nervenschäden und Durchblutungsstörungen in den Füßen führen zu offenen und schlecht heilenden Wunden sowie Geschwüren (diabetische Gangrän). Da schon kleinere Verletzungen zu langwierigen Beschwerden führen können, sollten ältere Diabetiker täglich ihre Füße auf Druckstellen und Einrisse kontrollieren. Rund 25 Prozent der Diabetiker leiden unter einem so genannten diabetischen Fuß, der in schweren Fällen sogar amputiert werden muss.

Schädigung der großen Blutgefäße

Diabetes führt zu Arterienverkalkung (Arteriosklerose) an den größeren Blutgefäßen (diabetische Makroangiopathie). Insbesondere in Verbindung mit erhöhten Blutfettwerten, hohem Blutdruck, Übergewicht und Nikotingenuss sind Diabetiker gefährdet, folgende Krankheiten zu erleiden:

  • Durchblutungsstörungen der Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK)
  • Schlaganfall
  • Herzinfarkt
  • koronare Herzerkrankung (KHK)

Erektionsprobleme und Regelstörungen

Diabetes führt zu Nervenschäden und Durchblutungsstörungen, die Erektionsprobleme und Regelstörungen verursachen können.

8. Therapie

Stufentherapie bei Typ-2-Diabetes

Eine Diabetes-Erkrankung und deren Behandlung wird in vier verschiedene Therapiestufen unterteilt.

Stufe 1

Im ersten Schritt versucht der Diabetiker seinen Lebensstil dahingehend zu verändern, dass bereits zu Beginn eine optimale Einstellung des Blutzuckers ermöglicht wird. Die vier Hauptsäulen der ersten Stufe sind: Schulung, Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und die Gabe von Metformin. Primäres Ziel bei übergewichtigen Patienten ist dabei Gewicht zu reduzieren, da dies den Blutzucker und mögliche diabetische Folgeerkrankungen positiv beeinflusst. Aktuell wird auch der zeitnahe Einsatz von Metformin empfohlen, da dieses Medikament nicht nur den Blutzucker senkt sondern auch das Risiko für Komplikationen an den großen Gefäßen wie beispielsweise Herzfinfarkt reduziert. Sind Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten gegen Metformin bekannt können alternativ Alpha-Glukosidasehemmer, Glitazone, Repaglinid oder Sulfonylharnstoffe verabreicht werden, dies jedoch erst wenn nach 3 – 6 Monaten ohne Tabletten keine befriedigende Einstellung erzielt worden ist.

Stufe 2

Wenn der Blutzuckerspiegel nun immer noch nicht ausreichend gesunken ist, wird ein zusätzliches Medikament verordnet. Metformin kann kombiniert werden mit Acarbose, Sulfonylharnstoffe, Glinide, Glitazone, DPP-4 Inhibitoren oder Exenatide.

Stufe 3

Lässt sich der Blutzuckerspiegel mit Tabletten alleine nicht ausreichend regulieren, muss der Diabetiker zusätzlich Insulin spritzen.

Stufe 4

Ist die Insulinproduktion erschöpft, wird der Betroffene fortan ausschließlich mit Insulin behandelt.

Nicht insulinäre Antidiabetika

Die Auswahl an Antidiabetika ist zahlreich und vielfältig. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, welche Antidiabetika es gibt und wie sie wirken.

Alpha-Glukosidasehemmer

Acarbose und Miglitol verhindern, dass Glukosemoleküle im Darm aufgespalten und ins Blut aufgenommen werden. Diese Medikamente führen zu einer Verzögerung der Glukoseaufnahme im Darm und verhindern Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten. Jedoch können im Laufe der Behandlung zeitweise starke Blähungen auftreten, da die unverdauten Kohlenhydrate im Dickdarm von den Darmbakterien zersetzt werden.

Sulfonylharnstoffe

Dieser Wirkstoff erhöht die Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Bei Typ-2-Diabetikern schlägt diese Therapie zunächst gut an, mit fortschreitender Erkrankung lässt die erwünschte Wirkung jedoch nach, da die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse erschöpft ist. Ist dies der Fall, muss der Diabetiker zusätzlich Insulin spritzen. Generell muss bei dieser Therapie auf eine regelmäßige Mahlzeitenverteilung geachtet werden, da ohne Kohlehydrate eine gefährliche Unterzuckerung auftreten kann. Als Nebenwirkung kann es zu einer Gewichtszunahme kommen.

Biguanide

Metformin hemmt die Neubildung von Glukose in der Leber und steigern gleichzeitig die Aufnahme von Glukose im Muskel- und Fettgewebe. Sie haben weiterhin einen positiven Effekt auf das Körpergewicht. Übelkeit, Brechreiz und Durchfall können als Nebenwirkung auftreten. Bei Nierenerkrankungen dürfen Biguanide nicht eingenommen werden.

Glinide

Wie bei den Sulfonylharnstoffen, steigern Glinide die Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse. Der Hauptunterschied besteht darin, dass sie unmittelbar zum Essen eingenommen werden und eine kürzere Wirkungsdauer besitzen. Daher ist die Gefahr dass eine Unterzuckerung auftritt wesentlich geringer. 

Magenbeschwerden und Unterzuckerung können als Nebenwirkungen auftreten.

Glitazone

Glitazone werden auch als Insulin- Sensitizer bezeichnet weil sie die Insulinempfindlichkeit im Leber-, Muskel- und Fettgewebe erhöhen und somit die Insulinresistenz senken. Jedoch haben sie keinen Einfluss auf die Insulinausschüttung. Meist werden Glitazone in Verbindung mit Sulfonylharnstoffen oder Metformin verschrieben. Da sie die Bauchspeicheldrüse entlasten, können Glitazone die Manifestation von Typ-2-Diabetes verzögern – zumindest, wenn sie frühzeitig in der Therapie eingesetzt werden. Als Nebenwirkungen können Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) auftreten.

DPP-4 Hemmer (Gliptine)

Der Blutzuckerspiegel wird durch Darmhormone, die so genannten Inkretine, reguliert. Diese sind daran beteiligt die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse zu regulieren indem sie nach dem Essen bzw. nach Aufnahme der Glukose in den Blutkreislauf freigesetzt werden und die Bauchspeicheldrüse zur Insulinsekretion anregen. Die Inkretine werden durch das Enzym DPP-4 wieder abgebaut. Durch eine Hemmung von DPP-4 wird die Wirkung der Inkretine verlängert.

Exenatide/ Liraglutid

Exenatide und Liraglutid bewirken einen Anstieg bestimmter Inkretine. Der große Vorteil ist hierbei, dass dies nur geschieht solange der Blutzucker erhöht ist. Somit ist eine Unterzuckerung ausgeschlossen. Sie ermöglichen weiter eine Gewichtsabnahme, jedoch tritt zu Beginn als Nebenwirkung bei ca. 50% der Patienten Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen und Durchfall auf.

Insulin

Insulin wird injiziert und kann nicht in Tablettenform eingenommen werden, da die Magensäure das enthaltene Eiweiß zerstören würde. Um den Blutzuckerspiegel zu regulieren, sind in der Regel ein bis zwei Injektionen pro Tag ausreichend. Es gibt jedoch unterschiedliche Insulintherapien, die ggf. auch mehr Injektionen erfordern.

Konventionelle Insulintherapie

Der Diabetiker spritzt kurzwirksames Normalinsulin und langwirksames Verzögerungsinsulin in einem festen Mischverhältnis ein- bis zweimal am Tag. Dieses Therapieschema ist relativ starr und erfordert geregelte Mahlzeiten und möglichst festgelegte Mengen an Kohlenhydraten. Erfahrungsgemäß ist die Blutzuckereinstellung auf Grundlage der konventionellen Insulintherapie nicht sonderlich erfolgsversprechend und eignet sich am ehesten für ältere Menschen mit einem sehr geregelten Tagesablauf.

Intensivierte Insulintherapie

Bei der intensivierten Insulintherapie wird die Insulindosis dem aktuellen Blutzuckerwert laufend angepasst. Die Therapie erfolgt nach dem Basis-Bolus-Prinzip und ahmt die natürliche Insulinsekretion des Organismus nach. Zur basalen Abdeckung wird ein- bis zweimal täglich ein langwirksames Insulin gespritzt. Die Bolusgaben erfolgen mit einem kurzwirksamen Insulin zu den jeweiligen Mahlzeiten. Erst wird der Blutzuckerwert bestimmt und die Kohlenhydrateinheiten der aktuellen Mahlzeit abgeschätzt, dann die erforderliche Dosis festgelegt. Sind die Blutzuckerwerte vor dem Essen erhöht, kann sie der Betroffene, durch die zusätzliche Zugabe von kurzwirksamen Insulin, nach einem Korrekturplan eigenständig erhöhen. Diese Therapieform bietet dem Patienten die Möglichkeit, die Mahlzeiten nach Belieben zu sich zu nehmen, da die Insulinmenge an die verzehrte Kohlenhydratmenge angepasst wird. Jedoch sind eine häufigere Bestimmung des Blutzuckerspiegels und eine gute Schulung des Diabetikers grundlegende Voraussetzung. Die intensivierte Insulintherapie wird vor allem bei Typ-1-Diabetes eingesetzt, kann beim Typ-2-Diabetes aber ebenfalls nützlich sein.

Insulin-Injektionen

Im Regelfall wird das Insulin mithilfe eines Insulinpens, der aussieht wie ein Füllfederhalter, unter die Haut (subkutan) gespritzt. Bei Typ-1-Diabetikern kommen jedoch auch Insulinpumpen zum Einsatz. Diese sind ungefähr so groß wie eine Zigarettenschachtel und werden ständig am Körper getragen. Die Insulinpumpe gibt über eine unter der Haut liegende Kanüle regelmäßig eine vorprogrammierte Insulinmenge ab. Ferner erlaubt sie es, vor den Mahlzeiten eine Extradosis Insulin abzurufen (Bolus). Die abzugebende Insulinmenge muss nach der Menge der gegessenen Kohlehydrate errechnet werden.

Diabetiker-Schulung

Eine Diabetiker-Schulung vermittelt wichtige Informationen über Diabetes und seine Behandlung. Folgendes wird vermittelt:

  • Was ist Diabetes mellitus?
  • Blutzucker-Selbstkontrolle
  • Umgang mit Medikamenten, insbesondere mit Insulin
  • Angemessene Ernährung
  • Körperliche Bewegung 
  • Vermeidung von Folgeschäden
  • Vorsorgeuntersuchungen
  • Fußpflege

Diese Schulungen werden von zahlreichen Stellen angeboten, die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Informationen über Kursangebote erhalten Sie bei niedergelassenen Ärzten, Diabetes-Ambulanzen von Kliniken, Selbsthilfegruppen und Diabetes-Schwerpunktpraxen.

Umfassende Therapie

Um Folgeerkrankungen im Zuge von Diabetes zu vermeiden, müssen Blutzucker, Bluthochdruck und Fettstoffwechsel regelmäßig kontrolliert und behandelt werden. Nur durch eine umfassende Therapie kann die Gefahr von Erkrankungen, wie einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall minimiert werden. Arzt und Diabetiker vereinbaren die Therapieziele individuell, unter Berücksichtigung vom Alter und möglichen Begleiterkrankungen.

Therapieziele bei Typ-2-Diabetes sind: 

  • HbA1c < 6,5%
  • Nüchtern-Blutzucker: 5,0-6,7 mmol/l
  • Gesamt-Cholesterin < 4,7 mmol/l
  • LDL-Cholesterin < 2,6 mmol/l
  • HDL-Cholesterin > 1,2 mmol/l
  • Triglyzeride < 1,7 mmol/l
  • Blutdruck: < 130/< 85 mmHg (optimal: < 120/< 80 mmHg)
  • Nikotinverzicht
  • Bei Übergewicht/ Adipositas Gewichtsreduktion
  • lbuminurie < 20 mg/l

Unterzuckerung

Fällt der Blutzucker unterhalb von 2,8  mmol/l wird von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) gesprochen auch wenn keine Symptome zu bemerken sind. Ursachen für eine Unterzuckerung können sein:

  • Sie haben zu wenig oder zu lange nichts gegessen
  • Sie haben sich körperlich ungewöhnlich angestrengt
  • Sie haben sich die Insulininjektion beträchtlich früher als üblich verabreicht
  • Der Spritz-Ess-Abstand war zu lang
  • Sie haben Alkohol getrunken (nach Alkoholkonsum immer geringe Mengen langwirksamer Kohlenhydrate zu sich nehmen)

Es gibt bestimmte Symptome, die auf eine Unterzuckerung hindeuten:

  • Unruhe
  • Heißhunger
  • Kaltschweiß
  • Herzrasen
  • Zittern
  • Schwäche
  • Kopfschmerzen
  • Verstimmung, Reizbarkeit
  • Konzentrationsschwächen, Verwirrung
  • Müdigkeit

Wenn der Verdacht auf eine Unterzuckerung besteht sollten Sie rasch schnell verfügbare Kohlenhydrate, wie z.B. Traubenzucker, Cola oder Fruchtsaft zu sich nehmen damit der Blutzucker wieder ansteigt. Prinzipiell gilt: In Flüssigkeit gelöste Zucker gelangen schneller ins Blut als feste.

9. Allgemeine Ernährungsempfehlungen für Diabetiker

Ernährung und Diabetes sind eng miteinander verknüpft. Eine gesunde Ernährung ist eine wichtige Voraussetzung für die gute Blutzuckereinstellung jedes Diabetikers; des Weiteren kann eine Fehlernährung die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes begünstigen. Die richtige Ernährung stellt daher für jeden Diabetiker eine wichtige Grundlage der Therapie dar.

Früher beschränkte sich die diabetesgerechte Kost auf eine Begrenzung der Kohlenhydrate, das Zählen von Broteinheiten (BE). Heute wird von der Deutschen 

Diabetesgesellschaft (DDG) keine spezielle „Diabetesdiät“ mehr empfohlen.

Die richtige Ernährung für Diabetiker entspricht weitgehend den Empfehlungen der ausgewogenen Mischkost, wie sie auch für Gesunde/ Nichtdiabetiker gilt. Hinsichtlich der Energiezufuhr gibt es grundsätzlich keine unterschiedlichen Empfehlungen für Diabetiker und Nichtdiabetiker. Sie sollte so hoch sein, dass ein normales Körpergewicht erreicht bzw. gehalten wird. Die allgemeinen Ernährungsempfehlungen sollen vor allem das Risiko für das Auftreten von Herzkreislauf-Erkrankungen und anderer Folgekomplikationen mindern bzw. diese meiden.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sind die einzigen Nährstoffe, die einen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben. Trotzdem sollten sie nicht aus dem Speiseplan des Diabetikers verschwinden. Ihr Anteil an der aufgenommenen Gesamtenergie sollte wie beim Gesunden zwischen 45 und 60 % betragen.

Für Menschen mit Diabetes sollte es generell nicht darum gehen, Kohlenhydrate möglichst wegzulassen sondern vielmehr darum, den Kohlenhydratgehalt von Speisen und Getränken richtig einzuschätzen. Es kann sinnvoll sein, die Kohlenhydrate auf mehrere Mahlzeiten (bis zu 6) zu verteilen, um starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.

Kohlenhydrate werden außerdem vom Körper unterschiedlich schnell aufgenommen und erhöhen deshalb in ungleichem Maße die Blutzuckerwerte. Diabetiker sollten auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel zurückgreifen, die den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen lassen (siehe Tabelle). Das sind komplexe Kohlenhydrate in Form ballaststoffreicher pflanzlicher Nahrungsmittel mit einem niedrigen Glykämischen Index (GI = Der GI ist ein Maß für die Blutzuckerwirksamkeit von kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln und wird in Prozent angegeben. Je höher der GI ist, desto schneller steigt der Blutzuckerspiegel an. Die blutzuckersteigernde Wirkung von Traubenzucker dient als Referenzwert (100%). Dies führt nachweislich zu einer Verbesserung der mittleren Blutzuckerwerte und Verminderung des HbA1c(HbA1c-Glycohämoglobin: glykosyliertes Hämoglobin, gilt als Langzeitblutzuckerwert). Als Kohlenhydratlieferanten sollten vor allem Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Obst genutzt werden.

Art, Menge und Verteilung der Kohlenhydrate im Tagesplan sollten so gewählt werden, dass dies langfristig zu stabilen Blutzuckerwerten (HbA1c-Wert) führt.

Ballaststoffe

Eine ballaststoffreiche Kost vermindert die mittleren und nach einer Mahlzeit entstehenden Blutglukosespiegel. Die Ballaststoffaufnahme sollte idealerweise bei 40 g/d liegen. Hierfür ist der tägliche Verzehr von 5 Portionen ballaststoffreichem Gemüse oder Obst sowie Hülsenfrüchten sinnvoll. Bei Getreideprodukten sollten Vollkorn-produkte immer die erste Wahl sein.

Zucker

Jahrzehntelang war Haushaltszucker für Diabetiker tabu. Doch das hat sich geändert. Die moderate Aufnahme von bis zu 50 g Zucker täglich kann in die Kost integriert werden. Dazu zählen Lebensmittel wie Honig, Konfitüre und Süßigkeiten. Insgesamt sollte die Zuckeraufnahme 10 % der Gesamtenergie nicht überschreiten. Dies entspricht auch den allgemeinen Empfehlungen einer gesunden Ernährung. Als ungeeignet für Diabetiker gilt der Verzehr von gezuckerten Getränken (s.u.) und die Verwendung von reinem Zucker.

Übersicht über unterschiedlich Blutzucker steigernde Lebensmittel

LebensmittelgruppeBlutzuckersteigerung
Zucker
Zuckerhaltige Getränke
Süßigkeiten
Weißmehlprodukte (Toastbrot, Brötchen, Kuchen, Gebäck)
Obst
Vollkornprodukte (Brot, Brötchen, Nudeln, Reis, Mehl)
Kartoffeln
Milchzucker/ Laktose (Milch)
Gemüse
Hülsenfrüchte

Fette 

Fette führen im Gegensatz zu den Kohlenhydraten nicht zu einem Blutzuckeranstieg und beeinflussen diesen nicht. Die tägliche Fettaufnahme sollte auf maximal 30 – 35 % der Gesamtenergie (ca. 70 g Fett pro Tag) beschränkt werden. Dies entspricht der Fettzufuhrempfehlung zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos.

Bei übergewichtigen Diabetikern kann zur Gewichtskontrolle bzw. -abnahme eine Reduktion der Energieprozente an Fett (auf < 30 %) hilfreich sein (s.u.).

Die richtige Fettauswahl hat zudem einen positiven Effekt auf die Insulinempfind-lichkeit. Es ist z.B. sinnvoll, tierische Fette (Butter, Wurst, Käse, Sahne) zum Teil durch pflanzliche Fette oder Öle (z.B. in Olivenöl, Rapsöl, Maiskeimöl, Nüssen) zu ersetzen.

Die Cholesterinaufnahme sollte 300 mg/d nicht überschreiten und bei erhöhten LDL-Cholesterinwerten noch weiter reduziert werden.

Einfluss auf die KH-Aufnahme

Fettreiche Nahrungsmittel verweilen länger im Magen, da diese sich dämpfend auf die Magenperistaltik auswirken. Werden also fettreiche, kohlenhydrathaltige Lebensmittel verzehrt (z.B. Pommes frites, Bratkartoffeln, auch fettreiche Süßigkeiten wie z.B. Schokolade etc.) kommt es zu einer langsameren Kohlenhydrataufnahme und damit zu einem langsameren Blutzuckeranstieg.

Proteine

Proteine führen wie auch die Fette nicht zu einem Blutzuckeranstieg und beeinflussen diesen nicht. 10 – 20 % der aufgenommenen Energie (ca. 60 g pro Tag) können in Form von Eiweiß zugeführt werden.

Eine zu hohe Eiweißzufuhr kann zu einer Nierenschädigung und zur Überschreitung der täglichen Kalorienmenge führen, was sich ungünstig auf das Gewicht auswirkt. Neben einer strengen Einstellung des Blutzuckers und des Blutdrucks kann eine 

Eiweißeinschränkung auf <10 % der zugeführten Energie die Nieren entlasten und somit das Voranschreiten einer diabetischen Nephropathie (Fortschreitende  Nierenschädigung, die bis hin zum dialysepflichtigen Nierenversagen führen kann und zu einer der möglichen Spätfolgen des Diabetes mellitus gehört) verlangsamen.

Es empfiehlt sich, im Rahmen einer ausgewogenen und gesunden Ernährung den Anteil an tierischen Eiweißen (Fleisch und Fisch, Wurst und Käse, Milch und Milchprodukte) zu reduzieren und vermehrt auf pflanzliche Eiweißlieferanten (Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse etc.) zurück zu greifen.

Vitamine und Mineralstoffe, Antioxidantien

Bei Einhaltung der empfohlenen Kost mit einem hohen Anteil an Gemüse und Obst, Vollkornprodukten und Fisch erhalten Diabetiker alle wichtigen Inhaltsstoffe in ausreichender Menge. Die Verwendung von Supplementen oder funktionellen Lebensmitteln wird nicht empfohlen. Hierzu zählen ballaststoffangereicherte Lebensmittel und Produkte mit Pflanzensterinen ebenfalls wie Supplemente mit Kräutern, Vitaminen, Mineralstoffen und Omega-3-Fettsäuren.

Getränke

Täglich sollten ca. 2 Liter getrunken werden. Empfehlenswert sind vor allem Leitungs- oder Mineralwasser ebenso wie ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees. Kaffee, grüner oder schwarzer Tee können bis zu 4 Tassen täglich genossen werden. Gemüsesaft kann zur Aufnahme von Ballaststoffen beitragen. Gezuckerte Getränke dagegen sind für Diabetiker – außer im Fall einer Hypoglykämie (bei Unterzuckerung) – nicht geeignet. Dazu zählen auch Fruchtsäfte, Fruchtsaftgetränke, -nektare und -sirupe, Kaffee, Tee, Cappuccino mit Zucker oder Honig sowie Instantgetränke. Diabetiker, die auf süß schmeckende Getränke nicht verzichten möchten, können auf süßstoffgesüßte Limonaden bzw. die Nutzung von Süßstoff in Tee und Kaffee zurückgreifen.

Alkohol

Auch bei Diabetes ist ein moderater Alkoholgenuss (10 g Alkohol/d für Frauen, 20 g Alkohol/d für Männer) nicht verboten.

Zu beachten ist jedoch, dass in der Zeit des Alkoholabbaus die Leber nur eingeschränkt Zucker neu bilden und ins Blut abgeben kann (Gefahr einer Unterzuckerung). Diabetiker, die mit Insulin, Sulfonylharnstoffen oder ähnlich wirkenden Substanzen behandelt werden, sollten deshalb alkoholische Getränke nur im Rahmen einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit und nicht auf leeren Magen genießen. Kohlenhydratreiche Alkoholika (Liköre, süße Weine, Bier, „Alcopops“ und Mixgetränke aus Alkohol mit süßen Limonaden) sollten außerdem nicht mit Insulin abgedeckt werden. Zu bevorzugen sind eher kohlenhydratarme Alkoholika wie trockener Sekt oder Wein/ Weinschorle.

Abstinenz ist geboten bei Schwangerschaft, schweren Erkrankungen und bei Vorliegen einer fortgeschrittenen Nephropathie.

Alkohol fördert die Entstehung von Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen, stellt eine wesentliche Energiequelle dar und sollte deshalb auch in Hinblick auf die Kontrolle des Körpergewichts und das Risiko der Entstehung von Gefäßerkrankungen (Mikro- und Makroangiopathien) nur eingeschränkt genossen werden.

Diabetikerlebensmittel

Obwohl nach wissenschaftlichen Erkenntnissen „Diabetikerlebensmittel“ nicht für eine diabetesgerechte Ernährung empfehlenswert sind, gibt es in Deutschland noch immer Lebensmittel mit der Kennzeichnung „für Diabetiker geeignet“. Es handelt sich dabei um Lebensmittel, die an Stelle von Zucker Zuckeraustauschstoffe (Fruchtzucker, Zuckeralkohole) und Süßstoffe enthalten (s.u.). Probleme, die mit solchen Lebensmitteln verbunden sein können, sind ein zu hoher Fett- und Energiegehalt, ein schwer einschätzbarer Kohlenhydratanteil, Alkoholgehalt und ein unverhältnismäßig hoher Preis. Es werden national und international Forderungen gestellt, diese Bezeichnung europaweit nicht mehr zuzulassen.

Generell ist es sinnvoll bei Diabetiker- und Light-Produkten stets auf die Zutatenliste zu achten. Folgende Aufschriften weisen auf Zuckerbestandteile hin:

  • Zucker
  • Zuckerstoffe
  • Maltodextrin
  • Maltose
  • Dextrose
  • Glukose
  • Glukosesirup
  • Honig
  • Maltitsirup

Experten sind sich einig über die Empfehlungen, für Diabetiker ganz normale Nahrungsmittel zu verwenden.

Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe

Süßstoffe sind künstlich hergestellte chemische Verbindungen mit einer Süßkraft, welche diejenige des Zuckers (Saccharose) um das 10 – 3000-fache überschreitet. Sie enthalten keine Kohlenhydrate und erhöhen somit nicht den Blutzucker! Sie enthalten außerdem keine bzw. fast keine Kalorien (kcal) und werden unverändert mit dem Harn ausgeschieden. Süßstoffe sind im Handel als Tabletten, in flüssiger Form oder als Streusüße erhältlich. In Deutschland zugelassene Süßstoffe sind Saccharin, Sucralose, Cyclamat, Aspartam, Acesulfam K, Thaumatin und Neohesperidin DC. Bei zu hoher Dosierung können Süßstoffe bei manchen Menschen abführend wirken.

Zuckeraustauschstoffe werden aus Obst oder Gemüse gewonnen und als Zuckerersatz für Diabetikergebäck, -süßigkeiten, -konfitüren usw. verwendet. Als Zuckeraustauschstoffe werden vor allem Fruchtzucker (Fruktose) und Zuckeralkohole (Sorbit, Mannit, Isomalt, Xylit, Laktit, Maltit) eingesetzt. Sie liefern genauso viel Energie wie herkömmlicher Zucker, führen aber kaum zu einem Blutzuckeranstieg. Die Blutzuckerwirksamkeit kann allerdings individuell verschieden sein und sollte behutsam getestet werden. Da Zuckeraustauschstoffe Kalorien enthalten, sind sie für Diabetiker mit Übergewicht nicht geeignet und besitzen auch generell keinen entscheidenden Vorteil für Diabetiker. Im Gegenteil: bei zu hohem Verzehr können sie abführend und blähend wirken.

Mahlzeitenverteilung

Nicht nur auf die richtige Zusammensetzung der Ernährung kommt es an, sondern auch auf ihre Verteilung über den Tag. Um Blutzuckerspitzen und auftretenden Heißhunger zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, die gesamte Kalorienmenge auf 5 – 6 kleinere Mahlzeiten über den Tag zu verteilen. Dies hängt jedoch auch immer von der Therapie (Tabletten oder Insulin) ab, auf die der Patient eingestellt ist.

Es spricht aber nichts dagegen, die Gesamtenergiemenge auf drei Hauptmahlzeiten zu verteilen, soweit dies nicht mit einer zu hohen Kohlenhydrataufnahme pro Mahlzeit verbunden ist. Art, Menge und Verteilung der Kohlenhydrate im Tagesplan soll so gewählt werden, dass dieses langfristig zu stabilen Blutzuckerwerten (HbA1c-Wert) führt.

Übergewicht

Übergewicht stellt einen sehr wichtigen Risikofaktor für die Entstehung des Diabetes dar. Das wichtigste Ziel der Ernährungsumstellung beim Typ-2-Diabetes ist das Erreichen eines normalen Körpergewichts (BMI < 25 kg/m2) und das Halten dieses. Von Übergewicht spricht man ab einem Body Mass Index (BMI = Body Mass Index, der Quotient aus dem Körpergewicht und dem Quadrat der Körpergröße in kg/ m2 als Maßzahl für die Bewertung der Körpermasse eines Menschen.)  von >25 kg/m2. Ab einem BMI von 30 kg/m2 spricht man von Adipositas (Fettleibigkeit). 

Dies ist v.a. für den Typ-2-Diabetiker wichtig, da die Wirkung des Insulins mit steigendem Körpergewicht abnimmt. Daher kann eine Gewichtsreduktion zu einer Verbesserung oder Normalisierung der Blutzuckerwerte führen. Grundlage der richtigen Ernährung sind die allgemeinen Ernährungsempfehlungen. Sollte eine Gewichtsabnahme nicht gelingen, so sollte zumindest eine weitere Gewichtszunahme vermieden werden.

Um das Gewicht zu reduzieren ist es sinnvoll, energiedichte, also hochkalorische Lebensmittel zu vermeiden und eine ausgewogene Ernährung mit einer Erhöhung der körperlichen Aktivität zu kombinieren.

Sport

Regelmäßige Bewegung senkt langfristig den Blutzucker, die Insulinresistenz und damit das Fortschreiten des Typ-2-Diabetes. Bereits 5x 30 min Bewegung pro Woche zeigen einen deutlichen Effekt. Gut geeignet sind dabei Ausdauersportarten (Walking, Spazieren, Radfahren, Schwimmen). Sport wirkt sich überdies günstig auf Gewicht, Blutfettwerte, Blutdruck und Durchblutung aus und reduziert somit zusätzlich das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen.

Eine Steigerung der Bewegung ist deshalb ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Diabetestherapie und -prävention. Bei der Verwendung von Insulin oder Medikamenten, die die Insulinfreisetzung steigern, muss unbedingt der blutzuckersenkende Effekt beim Sport beachtet werden, um eine Hypoglykämie zu vermeiden

10. Diabetes bei Kindern

Sind Kinder an Diabetes erkrankt, leiden sie in der Regel an Typ-1, stark übergewichtige können jedoch auch von Typ-2 betroffen sein. Da viele Kinder nach der Diagnose zunächst überfordert sind, bedarf es an einem hohen Maß an Zuwendung seitens der Eltern. Die Kinder brauchen Hilfe um die Krankheit anzunehmen und um zu lernen, wie sie damit umgehen müssen. Dabei bieten Ihnen diabetologische Kliniken und Schwerpunktpraxen Hilfestellung. Sollten Eltern nicht alleine mit der Situation zurecht kommen, empfiehlt sich eine Zuhilfenahme von Kinderpsychologen.

11. Arbeiten mit Diabetes

Diabetiker müssen auf ihre Ernährung achten und regelmäßig zum Arzt gehen, führen dennoch ein normales Leben. Daher ist es grundsätzlich kein Problem, als Diabetiker einem geregelten Beruf nachzugehen. Dennoch birgt eine mögliche Unterzuckerung insbesondere bei insulinbehandelten Diabetikern, während der Arbeitszeit Gefahrenpotenzial. Daher sollten die Kollegen über die Diabetes-Erkrankung bescheid wissen, um im Notfall richtige Maßnahmen ergreifen zu können. Generell muss gewährleistet sein, dass das notwendige Insulin sicher und jederzeit griffbereit gelagert werden kann sowie Traubenzucker oder süße Getränke mitgeführt werden falls eine Unterzuckerung auftreten sollte. Es gibt einige Berufe, die wegen Fremd- oder Eigengefährdung nicht ausgeübt werden dürfen. Dazu gehören:

Berufe, bei denen Personen befördert werden

beruflicher Waffengebrauch (Soldaten, Polizisten)

Überwachungsfunktionen (Fluglotsen u.ä.)

Wer in Form eines ärztlichen Gutachtens nachweisen kann, dass er über eine gute Stoffwechselkontrolle verfügt, kann auch als kritisch eingestufte Berufe ausüben – beispielsweise Tätigkeiten, wie:

  • Taucher
  • Arbeiten in großer Höhe (Dachdecker u.ä.)
  • Arbeiten an gefährlichen Maschinen (Hochofen u.ä.)
  • Arbeiten im Schicht-, Akkord- oder Nachtdienst
  • Arbeiten, bei denen Schutzkleidung getragen wird und somit das Insulin nicht jederzeit gespritzt werden kann (Taucher, Gefahrstoffentsorger u.ä.)

Wichtiger Hinweis: Diabetiker sind berechtigt, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen, der einen besseren Kündigungsschutz, Extra-Urlaub und steuerliche Vergünstigungen ermöglicht.

12. Weitere Informationen

Broschüre

In unserer Broschüre "Stopp dem süßen Herz – Koronare Herzkrankheit und Diabetes" erhalten Sie eine informative Zusammenfassung des Beitrags zum Thema Diabetes mellitus.

Hilfreiche Links

http://www.bund-diabetischer-kinder.de/
Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V.

http://www.diabetesgate.de/
Diabetesportal für Betroffene und Angehörige mit umfangreicher Selbsthilfegruppen-Datenbank

http://www.diabetes-webring.de/
Sammlung qualitativ hochwertiger Links zu Portalen, Foren, Erfahrungsberichten, Verbänden, Selbsthilfegruppen, Fachkliniken

http://www.diabetes-news.de/
Aktuelle News zum Thema, Selbsthilfegruppen in Baden-Württemberg, Fachärzte, umfangreiche Infosammlung

http://www.diabetespro.de/
Informationen für Diabetiker

http://www.diabetes-kids.de/
Virtuelle Selbsthilfegruppe und Austauschforum für Kinder mit Diabetes und deren Eltern

http://www.diabetesde.org/
diabetesDE vereint alle Menschen mit Diabetes und alle Berufsgruppen wie Ärzte, Diabetesberater und Forscher, um sich für eine bessere Prävention, Versorgung und Forschung im Kampf gegen Diabetes einzusetzen.

http://www.diabsite.de/
Unabhängiges Diabetes-Portal mit Schwerpunktthemen wie "Kinder mit Diabetes", "Diabetes und Sport" und "Diabetes auf Reisen"

http://www.diabetes-austria.com/
Die erste deutschsprachige Seite für Menschen mit Diabetes (gegr. 1996)

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/
Deutsche Diabetes-Gesellschaft e.V.

http://diabetesinfo.de/
Hier finden Sie umfassende Basisinformationen rund um das Thema Diabetes mellitus.

http://www.diabetes-risiko.de/
Umfangreiches Informationsportal der Deutschen Diabetes-Stiftung