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Erkrankung des Herzens durch Herzkranzgefäßveränderungen

Koronare Herzkrankheit

Der häufigste Grund, warum Menschen unsere Hilfe in Anspruch nehmen, ist die Koronare Herzkrankheit (abgekürzt "KHK"). Dies wundert nicht, denn ca. 20%(!) aller Deutschen im mittleren Lebensalter haben eine KHK.

Die Koronare Herzkrankheit, auch ischämische Herzkrankheit (IHK) ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße (Koronararterien), die den Herzmuskel wie einen Kranz umfassen und ihn mit Blut, Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgen. Sie ist eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels aufgrund einer Verängung dieser Gefäße.

Veränderungen an den Herzkranzgefäßen beruhen meisten auf einer Arteriosklerose. Hier wird durch fetthaltige Ablagerungen den sogenannten „Plaques“, der Blutfluss und somit auch der Sauerstoffzufluss teilweise oder gar vollständig blockiert. Aus diesem Grund beginnt das Herz bei Belastung unter Sauerstoffnot zu leiden und mit Schmerzen zu reagieren. Die typischen Angina pectoris-Schmerzen sind nur von kurzer Dauer und enden innerhalb weniger Minuten in Ruhe oder durch die Einnahme eines Nitro-Präparats. 

Die KHK ist eine chronische Erkrankung, die im Verlauf von Jahren bis Jahrzehnten fortschreitet. Eine Verschlechterung der Erkrankung kann durch Behandlung der Risikofaktoren häufig eingedemmt werden. Außerdem wird die Koronare Herzkrankheit medikamentös, durch therapeutische Eingriffe mittels Herzkatheter und operativ behandelt.

Unter KHK werden alle Krankheitsbilder zusammengefasst, die durch eine Mangeldurchblutung des Herzmuskels hervorgerufen werden. Hierzu gehören neben der Angina pectoris auch Herzinfarkt und der plötzliche Herztod.

Symptome

Eine koronare Herzkrankheit kann klinisch unauffällig sein. In den meisten Fällen macht sie sich jedoch durch eine Reihe typischer Symptome bemerkbar. Die Symptome der KHK können spontan, d.h. ohne erkennbare Ursache, oder belastungsabhängig auftreten.

Das Leitsymptom der Koronaren Herzkrankheit ist die Angina pectoris.

Ein Angina pectoris-Anfall kann während aller Aktivitäten auftreten, welche die Belastung des Herzens erhöhen und zu schnellerem Pulsschlag oder Blutdrucksteigerung führen. 

Die meisten Betroffenen klagen über dumpfe, drückende, einschnürende und häufig brennende Schmerzen, die hinter dem Brustbein lokalisiert sind. Die Schmerzen können in beide Arme, den Hals, den Unterkiefer, den Rücken oder den Oberbauch ausstrahlen und werden von Patienten häufig als „Engegefühl in der Brust“ beschrieben. Einige Erkrankte berichten auch über starke Angstgefühle.

Die Schmerzen dauern in der Regel wenige Minuten an und bessern sich durch Ruhe oder Nitroglyzeringabe. Wenn trotz Nitro-Präparaten keine Besserung eintritt, kann dies ein Hinweis auf einen Herzinfarkt sein.

Eine Koronare Herzkrankheit verläuft des Öfteren auch asymptomatisch. Dies bedeutet, dass bei den Patienten keine Angina pectoris-Symptomatik oder andere Symptome auftreten. Diese Form wird als stumme Angina pectoris (oder stumme Myokardischämie) bezeichnet.

Formen der Angina pectoris

  • Stumme Angina pectoris

Bei der stummen Angina pectoris entstehen kaum Schmerzen. Nur ein unerwarteter Leistungsabfall oder ein leichtes Druckgefühl in der Brust können eventuell auf einen Angina pectoris-Anfall hinweisen. Diese Form tritt häufig bei älteren Menschen und Diabetikern auf.

Aufgrund der fehlenden Beschwerden werden Herzinfarkte und andere Folgen der Koronaren Herzkrankheit manchmal gar nicht oder zu spät bemerkt. Bei Vorsorgeuntersuchungen kann sie jedoch rechtzeitig entdeckt und behandelt werden.

  • Stabile Angina pectoris

Die stabile Angina pectoris tritt bei körperlicher Belastung auf. Die dabei entstehenden kurzzeitigen Schmerzanfälle, mit der oben beschriebenen Symptomatik, sind über Monate und Jahre hinweg immer gleich, ohne deutlich stärker zu werden. Grund für diese Schmerzen ist die gestörte Sauerstoffzufuhr in den Koronararterien.

Neben der körperlichen Belastung gibt es noch andere Ursachen, die eine stabile Angina pectoris auslösen können. Dazu gehören psychische Erregung, Kälte und ausgiebige Mahlzeiten. Nach etwas Ruhe verschwinden die Brustschmerzen dann innerhalb weniger Minuten wieder oder können durch die Einnahme von Nitro-Präparaten rasch beendet werden. Im Herzmuskel wird durch die Gabe solcher Präparate die Durchblutung gesteigert und das Sauerstoffdefizit beseitigt.

  • Die instabile Angina pectoris

Von der stabilen Angina pectoris müssen andere Formen abgegrenzt werden, insbesondere die instabile Angina pectoris, die im Rahmen eines akuten Koronarsyndroms auftreten kann. Bei ihr treten die Beschwerden mit zunehmender Stärke, Dauer und/oder Frequenz („Crescendo-Angina“), in Ruhe („Ruheangina“) oder bei geringer Belastung auf. 

Außerdem wird jede Angina pectoris als instabil bezeichnet, die neu auftritt oder in Situationen Beschwerden verursacht, bei denen bislang keine Schmerzen entstanden sind. Diese Patienten reagieren außerdem verzögert auf Nitroglyzerin.

Ursachen

Die häufigste Ursache der Koronaren Herzkrankheit (KHK) ist die Arteriosklerose der Herzkranzgefäße (Koronarsklerose). Andere Ursachen treten sehr häufig in Kombination mit der Arteriosklerose auf.

Über Jahre hinweg sammeln sich dabei in den Gefäßwänden Fettsubstanzen, komplexe Kohlenhydrate, Blut und Blutbestandteile, Bindegewebe und Kalziumablagerungen an, die sich zu einer zähen Masse verbinden (Plaque). Dadurch verliert das Gefäß die Fähigkeit sich auszudehnen. In Abhängigkeit vom Ausmaß der Arteriosklerose kann der Herzmuskel bei körperlicher Belastung und psychischer Erregung oder bereits in Ruhe nicht mehr ausreichend durchblutet werden (Koronarinsuffizienz) und es kommt zu den typischen Beschwerden.

Für die Arteriosklerose gibt es zahlreiche Risikofaktoren, deren Vermeidung für die Vorbeugung (Prävention) dieser Erkrankung eine wichtige Rolle spielt:

  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Fettstoffwechselstörung (Hypercholesterinämie)
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Gicht
  • Stress und psychische Belastungen
  • erbliche Faktoren
  • Alkoholmissbrauch
  • Behandlung

Die koronare Herzkrankheit muss behandelt werden, sie kommt sonst nicht zum Stillstand und heilt auch nicht von selber aus. Je nach Schweregrad sind verschiedene Behandlungen erforderlich:

  • Basis ist die Elimination der Risikofaktoren.
  • Gewichtsabnahme und Halten des Normalgewichtes.
  • Vermeidung von psychosoziale Faktoren und Stressbelastungen.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität.
  • Verzicht auf Nikotin.
  • Behandlung eines Bluthochdrucks.
  • Behandlung einer Fettstoffwechselstörung (Hypercholesterinämie).
  • Behandlung eines erhöhten Blutzuckers (Diabetes mellitus).

Medikamentöse Therapie

Die Medikamente gegen die koronare Herzkrankheit haben das Ziel, das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit zu verhindern, den Sauerstoffbedarf so einzuschränken, dass das Herz auch mit einem geringeren Sauerstoffangebot auskommen kann. Auf diese Weise wird die Anfallshäufigkeit vermindert und die Schwere der Anfälle gelindert.

Die Basistherapie besteht aus:

  • einem Thrombozytenaggregationshemmer (Acetylsalicylsäure (ASS) hemmt die Blutplättchen (Thrombozyten), die zur Blutgerinnung wichtig sind. Dadurch verringert sich die Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall.)
  • Nitrate (Nitrate erweitern die Blutgefäße und senken den Sauerstoffverbrauch des Herzens)
  • Betarezeptorenblocker (Beta-Rezeptoren-Blocker senken die Herzfrequenz und den Blutdruck bei Belastung. Dadurch verbraucht das Herz weniger Sauerstoff und die Beschwerden nehmen ab. Alternativ zu Betablockern können auch ACE-Hemmer eingesetzt werden.)
  • lang wirksame Calciumantagonisten (Medikamente mit Kalziumkanalblockern werden eher selten in der KHK-Behandlung verordnet. Sie werden verwendet, wenn Betablocker nicht einsetzbar sind.)
  • Cholesterinsenkende Medikamente (Statine hemmen ein Enzym, welches der menschliche Körper zur Herstellung von Cholesterin benötigt. Aufgrund des entstehenden Cholesterinmangels in den Zellen wird das schädliche LDL (Protein) aus dem Blutkreislauf entfernt. Somit sinkt das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.)

Sie werden zur Anfallsprophylaxe alleine oder in Kombination gegeben.

Gefäßerweiternde Therapie

Eine Reihe von Therapieverfahren zielt darauf ab, Verschlüsse bzw. Einengungen der Herzkranzgefäße bei einer Koronaren Herzkrankheit direkt zu beseitigen:

  • Ballondilatation (Ballondehnung)
    Bei der Ballondilatation wird ein dünner Katheter, genau wie bei der Untersuchung des Herzens mit Hilfe eines Katheters, bis zu den Engstellen in den Herzkranzgefäßen vorgeschoben und dann ein an der Katheterspitze installierter Ballon aufgeblasen. Unter dem Druck des Ballons werden die Engstellen aufgedehnt, und so kommt es wieder zu besserer Durchblutung und Sauerstoffversorgung in den hinter den Engstellen liegenden Bezirken des Herzmuskels.
  • Der Bypass
    Der Bypass ist eine Umleitungsblutbahn von der Aorta zu den Koronargefäßen, die unter Umgehung der Engstellen in den Herzkranzgefäßen den Blutdurchfluss wieder ermöglicht.