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Herz-CT

Vor dem Hintergrund einer seit Jahren steigenden Zahl von Herzkatheteruntersuchungen (>600000/ Jahr in Deutschland) und der Tatsache, dass deutschlandweit nur ca. 1/3 dieser Untersuchungen zu einer Koronarintervention führen, gibt es bereits seit den 1980er Jahren Bestrebungen einer nicht-invasiven Darstellung der Herzkranzgefäße mittels Computertomographie. Ein erster verbreiteter Ansatz war die auch an der Zentralklinik Bad Berka bis Anfang der 2000er Jahre verfügbare Elektronenstrahl-Computertomographie (EBCT). Seit 1999 sind konventionelle Mehrzeilendetektor-Computertomographiegeräte auf dem Markt  (sog. MD-CT bzw. MS-CT), welche durch eine größere Zahl an Detektorreihen die simultane Aufzeichnung von zunächst 4 und inzwischen bis zu 256 axialen Schnittbildern im Vergleich zu herkömlichen Einzelschicht-CT-Scannern ermöglichen. Die 2006 entwickelte dual-source-Technik führte durch den simultanen Einsatz von 2 versetzten Röntgenröhren und entsprechenden Detektorreihen zu einer weiteren Verbesserung der räumlichen und zeitlichen Auflösung und damit zu einer zunehmenden Robustheit der Methode im Alltag. Ein Gerät dieser Bauart (SOMATOM® Definition / 64-slice dual source / Fa. Siemens) ist an der Zentralklinik Bad Berka routinemäßig im Einsatz, damit werden jährlich allein ca. 700 Herz-CT-Untersuchungen durchgeführt.

Indikationen

Im Folgenden werden einige wichtige Indikationen für eine Herz-CT- Untersuchung erläutert:

Der im Herz-CT messbare Calcium-Score der Herzkranzgefäße erfasst arteriosklerotische Veränderungen in einem sehr frühen Stadium und stellt einen unabhängigen kardiovaskulären Risikofaktor dar. Dies ermöglicht die weitere Risikostratifizierung von bis dahin asymptomatischen Patienten bezüglich kardiovaskulärer Erkrankungen mit Konsequenzen für die weitere Behandlung.

Bei Patienten mit geringem und intermediärem kardiovaskulärem Risikoprofil und teilweise atypischen Beschwerden hinsichtlich einer koronaren Herzerkrankung (KHK) ermöglicht des Herz-CT in der Kombination von Kalkscore und CT-Koronarangiographie den Auschluss bzw. Nachweis einer KHK. Dabei besteht vor allem ein sehr hoher negativer prädiktiver Wert [Sensitivität 95-100% zum Auschluß KHK, Spezifität max.85%]. Weiterhin ermöglicht die Methode eine sehr gute Differenzierung der erfassten Koronarplaques (soft / intermediär / kalzifiziert).

Die Erkennung von angeborenen Fehlbildungen der Herzkranzgefäße (Koronaranomalien oder Koronarfisteln) ist eine weitere Domäne. Dieses Krankheitsbild tritt bei 0,4-1% der Allgemeinbevölkerung und 2,5% aller Herz-CT-Patienten auf und ist mittels Herz-CT im Vergleich zur Herzkatheteruntersuchung einfacher und morphologisch umfassender erfassbar.

Für komplexe Interventionen der invasiven Elektrophysiologie/Ablationsbehandlung von Herzrhythmusstörungen erfolgt die spezielle Vorbereitung durch Rekonstruktion der Anatomie der Herzvorhöfe, der Herzkammern und Darstellung der Mündung der Lungenvenen im Herz-CT.

Bei Patienten nach aortokoronaren Bypass-Operationen kann im Herz-CT die Offenheit der Bypassgefäße sehr gut dargestellt werden, vor allem bei atypischem Verlauf und schwieriger selektiver Darstellung in der Herzkatheteruntersuchung. Jedoch ist die  Bewertung der meist stark verkalkten nativen Anschlussgefäße derzeit noch schwierig. 

Im Rahmen sogenannter „Chest-Pain-Programme“ kann mittels einer CT-Untersuchung von Herz und Thorax vor allem bei unklaren Schmerzen im Brustkorb und nach Ausschluss eines akuten Koronarsyndromes die Erfassung einer eventuellen KHK, einer Aortendissektion und einer Lungenarterienembolie erfolgen. („triple rule out“).

Zusammenfassend kann aktuell gesagt werden, dass das Herz-CT als zusätzliches kardiologisches Diagnostikum bei den genannten Erkrankungen gut etabliert ist. Es hat als nicht-invasive Untersuchungsmethode einen hohen Patientenkomfort, ist rasch verfügbar, schnell durchführbar und erbringt einen hohen Erkenntnisgewinn bezüglich kardialer und extrakardialer Erkrankungen. Limitationen der Methode bestehen derzeit durch seltene schwere Allergie gegen Röntgenkontrastmittel, Schilddrüsenfunktionsstörungen, schwere Nierenfunktionsstörungen, Fehlen eines venösen Zuganges bei sehr schlechten Venenverhältnissen, fehlende Mitarbeit des Patienten, massive Herzrhythmusstörungen sowie durch implantiertes Metall im Herzbereich (z.B. Herzklappenprothesen, Koronarstents). Über die Durchführung der im Vergleich zu anderen kardiologischen Untersuchungsverfahren insgesamt noch relativ neuen Herz-CT-Untersuchung wird unter sorgfältiger Nutzen-/Risiko-Abwägung im Einzelfall durch den betreuenden Kardiologe bzw. betreuenden Arzt der Klinik entschieden.