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Schlaganfall

Definition

Unter einem Schlaganfall (Apoplex) versteht man eine plötzliche Hirnfunktionsstörung durch eine Störung der Hirndurchblutung.

Ursachen

Etwa 80 bis 85% aller Schlaganfälle sind auf eine Mangeldurchblutung (Hirninfarkt) zurückzuführen, etwa 15% auf Hirnblutungen. Vergleichsweise selten und eher das mittlere Lebensalter betreffend sind die Subarachnoidalblutungen (Blutungen in die Hirnwasserräume nach Einriss eines Gefäßes). Häufigste Ursache der Hirninfarkte ist eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Diese wiederum ist meist Folge eines hohen Blutdrucks, eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), eines erhöhten Cholesterinspiegels im Blut, von Nikotinkonsum, mangelnder Bewegung und anderen sog. zerebrovaskulären Risikofaktoren. Daneben kommen ursächlich vor allem fortgeschwemmte Blutgerinnsel aus den hirnversorgenden Gefäßen oder dem Herzen und Gefäßentzündungen in Frage.

Ursache der Hirnblutungen sind vor allem ein erhöhter Blutdruck, daneben vor allem Gefäßfehlbildungen, die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten (z.B. Falithrom®) und übermäßiger Alkoholkonsum.

Subarachnoidalblutungen sind bei jüngeren Personen meist auf angeborene Gefäßaussackungen (Aneurysmen), bei älteren häufig auf Arteriosklerose zurückzuführen.

Häufigkeit

Die Angaben über die Häufigkeit von Schlaganfällen in Deutschland schwanken zwischen 120.000 und 350.000 pro Jahr. Mit 11,4% liegt der Schlaganfall in der Todesursachenstatistik an Platz 3 (nach Herzerkrankungen und Krebs). Die Häufigkeit der Schlaganfälle steigt mit zunehmendem Alter an (von 4 auf 100.000 Einwohner bei den 25 bis 34-Jährigen auf über 2.000 auf 100.000 Einwohner bei den über 84-Jährigen. Möglicherweise als Folge der häufigen Bluthochdruckerkrankungen treten Schlaganfälle in Deutschland häufiger auf als in Frankreich und Großbritannien. Jeder fünfte Patient mit einem Schlaganfall verstirbt innerhalb von vier Wochen, mehr als jeder dritte innerhalb eines Jahres. Mehr als jeder 10. Betroffene erleidet innerhalb eines Jahres einen erneuten Schlaganfall.

Diagnostik

Wichtigste diagnostische Maßnahme nach Eintritt eines Schlaganfalls ist die Unterscheidung zwischen einer Mangeldurchblutung und einer Blutung mittels bildgebender Diagnostik (Computer- oder Magnetresonanztomographie). Bei Hirninfarkten erfolgt in der Regel eine Darstellung der hirnversorgenden Gefäße zur Klärung einer möglichen Notwendigkeit einer Erweiterung einer Gefäßverengung. Kardiologische Untersuchungen klären die Frage, ob es durch fortgeschwemmte Blutgerinnsel aus dem Herzen oder der Aorta zu einem Infarkt gekommen sein könnte. Daneben muss häufig geklärt werden, ob Herzrhythmusstörungen (Langzeit-EKG) oder erhöhte Blutdruckwerte (Langzeit-Blutdruckmessungen) vorliegen. Anhand von Blutuntersuchungen wird geprüft, ob ein Diabetes mellitus oder Blutgerinnungsstörungen vorliegen. Im Einzelfall können auch eine Lumbalpunktion („Nervenwasseruntersuchung“) oder andere Untersuchungen erforderlich sein.

Therapie

Ein Schlaganfall ist ein Notfall wie ein Herzinfarkt. Der Patient sollte so schnell wie möglich in ein Krankenhaus gebracht werden, möglichst in ein solches mit einer speziell eingerichteten Abteilung für die Schlaganfallsbehandlung (Stroke unit). Kommt er innerhalb weniger Stunden, so können bei Hirninfarkten in vielen Fällen eine medikamentöse Auflösung des infarktauslösenden Thrombus oder auch eine mechanische Entfernung mittels spezieller Katheter vorgenommen werden. Auch eine Gefäßerweiterung (Stent) kann sinnvoll sein. Letztere beide Maßnahmen sind nur in spezialisierten Kliniken möglich.

Bei Hirnblutungen muss geprüft werden, ob die Blutung operativ beseitig werden muss.

Bei jedem Schlaganfall gilt es dann, den Blutdruck, die Blutzuckereinstellung, die Flüssigkeitszufuhr, die Körpertemperatur und andere wichtige Körperfunktionen im möglichst optimalen Bereich zu halten. Dazu dient die engmaschige Überwachung der Patienten auf der Stroke unit.

Durch medikamentöse Maßnahmen wird zudem versucht, eine Wiederholung von Hirninfarkten zu vermeiden.

Möglichst rasch sollte dann der Übergang in die rehabilitative Phase vorgenommen werden, um eventuell verloren gegangene Körperfunktionen so gut wie möglich zu kompensieren.