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Schmerzmedizin

Assessment

Assessment

Die Patienten mit komplexen Schmerzerkrankungen werden in unserem Zentrum durch ärztliche Schmerztherapeuten betreut.

In einigen Fällen erfolgt die Erstuntersuchung ambulant und prästationär.

In den meisten Fällen werden die Patienten direkt für eine stationäre dreitägige Schmerzdiagnostik (algesiologisches Assessment) stationär aufgenommen.

Nach gründlicher ärztlicher Untersuchung durch den Schmerztherapeuten werden die für die Diagnosestellung erforderlichen Fachdisziplinen einbezogen, u. a.:

  • Wirbelsäulenchirurgie
  • Neurochirurgie
  • Neurologie
  • Institut für bildgebende Diagnostik
  • Nuklearmedizin/PET Zentrum
  • Orthopädie/Traumatologie
  • Allgemein- und Viszeralchirurgie
  • Gastroenterologie/Ernährungsmedizin
  • Angiologie
  • Pneumonologie/Schlafmedizin

Ein wesentlicher Bestandteil der stationären Diagnostik ist die Prüfung der Wirksamkeit der Schmerz-Medikamente, insbesondere der Opioide. Bei fehlender Funktionsverbesserung und Schmerzlinderung wird die Eignung und Motivation des Patienten für einen Medikamentenentzug geprüft.

In einzelnen Fällen erfolgt eine diagnostische Blockade (Lokalanästhesie des schmerzhaften Gebietes) oder eine photographische Darstellung der schmerzhaften Gliedmaßen mit der Wärmebildkamera bei Verdacht auf Mitbeteiligung des sympathischen Nervensystems am Schmerzgeschehen.

Nach Abklärung von Zeichen für gefährliche Krankheitsverläufe (red flags) oder einer OP-Indikation werden die Untersuchungsergebnisse in einer interdisziplinären Teambesprechung erörtert und eine Therapieempfehlung erarbeitet. Das kann z. B. eine Empfehlung zur Durchführung einer stationären/ambulanten multimodalen Schmerztherapie in einer Klinik sein oder ein operativer Eingriff, eine psychosomatische Therapie oder eine rehabilitative Behandlung.

In einem ausführlichen Abschlussgespräch werden dem Patienten die Ergebnisse der Teambesprechung erklärt und eine Therapieempfehlung formuliert.

In einigen Fällen wird die Empfehlung zur Durchführung einer dreiwöchigen stationären Schmerztherapie gegeben.

Diese ist entweder heimatnah in Wohnortnähe des Patienten möglich oder im Zentrum für Interdisziplinäre Schmerztherapie der Zentralklinik Bad Berka möglich.

Multimodale Schmerztherapie

Multimodale Schmerztherapie

Die Therapie wird in unserem Zentrum multimodal in Gruppen von 8 Patienten durchgeführt.

Indikationen für eine stationäre Behandlung sind u. a.:

  • Chronische Schmerzen
  • Beeinträchtigte Lebensqualität
  • Beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit
  • Entzugsbehandlung einer unwirksamen Schmerzmedikation (z. B. Opioide)
  • Ambulante Therapieresistenz
  • Schwere körperliche Begleiterkrankungen (z.B. Herzschwäche, Zuckerkrankheit mit Insulintherapie)
  • psychische Begleiterkrankungen (z. B. Depression)

Der Arzt übernimmt während dieser Zeit die

  • Koordination des individuell erstellten Behandlungsplanes
  • Regimegestützte Entzugsbehandlung, z. B. von Opioiden
  • Patientenführung
  • Durchführung von Patientenseminaren
  • Akutintervention bei Problemsituationen
  • Bei Bedarf Kontaktaufnahme mit den Angehörigen
  • Dokumentation / Bewertung der Behandlungsergebnisse

Es erfolgen tägliche Teambesprechungen zum Krankheitsverlauf und tägliche ärztliche Visiten oder Einzelgespräche mit den Patienten.

Einmal pro Woche und bei Bedarf zusätzlich erfolgt eine chefärztlich geleitete Teambesprechung und Visite.

Schwerpunkte der Teamberatung sind u. a.:

  • Therapieergebnisse
  • Gründe für ausbleibende Funktionsfortschritte
  • Problemanalyse bei nachlassender Mitarbeit des Patienten (Motivation, psychosoziale Einflüsse)
  • Alltagstransfer
  • Sicherung der Therapieergebnisse
  • Beobachtungen des Pflegepersonals
  • Motivationsprobleme

Am Ende der dreiwöchigen Behandlung werden in einem ausführlichen Abschlussgespräch Behandlungsergebnisse und Alltagstransfer der vermittelten Strategien mit dem Patienten besprochen und dem Hausarzt sowie den Weiterbehandlern in einem ausführlichen Brief übermittelt.

Bei speziellen Krankheitsbildern (z. B. CRPS) wird eine poststationäre ambulante Verlaufsbeobachtung von unserem Zentrum angeboten.

Die Verlaufsbeobachtung der anderen Patienten erfolgt über einen Verlaufs-Fragebogen, den sie nach 6 und 12 Monaten zugeschickt bekommen. Die ausgewerteten Ergebnisse sind u. a. Grundlage für die Forschungsarbeit der Klinik.

Eine erneute Kontaktaufnahme der ehemals behandelten Patienten mit unserem Zentrum ist bei Problemen jederzeit über unser Sekretariat möglich.

Stationäre multimodale Schmerztherapie mit Senioren

Stationäre multimodale Schmerztherapie mit Senioren

Schmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Alter. Deshalb haben wir ein für Seniorengruppen angepasstes Konzept der multimodalen Schmerztherapie (MMST) entwickelt. Die wichtigsten Ziele der Therapie sind bei stärkerer funktioneller Beeinträchtigung der Senioren die Verbesserung von Koordination, Gleichgewicht, Gangsicherheit, Abbau von Sturzängsten und Vermeidungsverhalten sowie das Abtrainieren dysfunktionaler Hilfsmittel. Langfristig werden durch die körperliche Aktivierung der Erhalt der persönlichen Selbständigkeit und die Verzögerung einer Pflegebedürftigkeit angestrebt. Deshalb liegt ein Schwerpunkt auf intensivem körperlichem Training unter physiotherapeutischer Anleitung. Dazu gehören Gehtraining, Treppentraining, dynamisches Körpertraining, Qigong, Nordic walking, Dehn- und Kräftigungsübungen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Überprüfung der aktuellen Medikation. Zur Verbesserung der Lebensqualität können Medikamentenentzüge (Opioide) und die Beendigung nicht mehr hilfreicher medikamentöser Therapien notwendig werden.

Die Patienten erhalten Informationen zu Anatomie, Entspannung, Schlaf, Stress, Angstvermeidungs-Verhalten, Aufmerksamkeitslenkung, Alltagstransfer und Rückfallprophylaxe. Es wird ein individuelles Heimübungsprogramm erarbeitet.

Die Teilnahme setzt eine eigene Motivation zur Bewegungssteigerung und die Bereitschaft zur Medikamentenreduktion und ggf. Entzug voraus.