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Paraplegiologie

Eine Querschnittlähmung unabhängig welcher Ursache bedarf einer umfassenden Behandlung mit hochspezialisierter Pflege, Neuro-Urologie, Urotherapie, Sporttherapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, psychologischem Dienst und einem Sozialdienst und einer lebenslangen Nachsorge, da lähmungsspezifische Komplikationen jederzeit möglich sind. Dazu gehören:

  • Verschlechterung der Lähmung
  • Schmerzen
  • Spinale und zentrale Spastik
  • Dekubitus (Druckgeschwür der Haut)
  • Osteoporose
  • Kontrakturen der Gelenke
  • Lähmungsbedingte Fehlstellungen
  • Thromboembolie
  • periartikuläre Ossifikationen
  • Blasenfunktionsstörungen
  • Darmfunktionsstörungen
  • Sexualfunktionsstörung

Nach einer akuten schlaffen Phase der Querschnittlähmung („Spinaler Schock“) kommt es im weiteren Verlauf zu einer unwillkürlichen Bewegung der gelähmten Muskelgruppen (Spastik der Skelettmuskulatur), die schmerzhaft sein kann und zu Gelenkeinsteifungen führt. Außerdem kann eine Spastik bei inkompletter Querschnittlähmung zu Funktionsbehinderung führen. Unser diesbezügliches Behandlungsspektrum umfasst alle zu Verfügung stehenden Verfahren, wie physikalischen Maßnahmen, Medikamente, wie auch Injektionen von Botulinumtoxin in die Muskulatur und intrathekale Medikation (Medikamentenpumpe).

Bei fast zehn Prozent aller Querschnittpatienten versagt die Prophylaxe mit der Folge des Auftretens eines Dekubitus. Unser Therapiekonzept besteht je nach Grad und Stadium aus konservativer und operativer plastisch-chirurgischer Versorgung.

Ein Teil der Druckgeschwüre entsteht durch periarticuläre Ossifikationen (PAO) mit Gefahr zusätzlicher Beeinträchtigung: Dabei werden vor allem Hüft- und Kniegelenke durch Knochenneubildungen bis zur Bewegungsunfähigkeit eingesteift. In unserem Haus kann dies durch Frühestdiagnostik mittels PET (Positronen Emissions Tomographie) festgestellt und durch sofortige Radiotherapie erfolgreich vermieden werden. Bestehen bereits ausgebildete Gelenkverknöcherungen, so führen wir die operative Abtragung durch.

Als kritische Grenze ist die Lähmung oberhalb des vierten Halswirbels anzusehen (ultrahohe Querschnittlähmung), da eine eigenständige Atmung durch den Ausfall des Zwerchfellnerves nicht mehr möglich ist. Wir betreuen auch diese Patienten, deren Überleben nur gesichert werden kann, wenn ein externes Beatmungsgerät zur Verfügung steht. Diese Patienten werden mit einer Dauerbeatmung über ein Heimbeatmungsgerät oder einen Zwerchfellstimulator direkt auf Station betreut und können somit optimal in die spezifischen diagnostischen und therapeutischen Abläufe und eingebunden werden. Darüber hinaus stehen wir für die Schulung der häuslichen Behandlungsteams zur Verfügung.